
Gewaltprävention Schwäbisch Gmünd war im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) im städtischen Jugendhaus der Stadt Schwäbisch Gmünd das zentrale Thema einer praxiserprobten Bildungsinitiative. Im Rahmen von sportpädagogischen Kursen erhielten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, ihr eigenes Sozialverhalten auf der Matte zu reflektieren, physische und emotionale Grenzen zu spüren und wirksame Deeskalationsstrategien für ihren Alltag zu entwickeln.
Das Projekt erstreckte sich über den Zeitraum vom 01.10.2010 bis zum 31.07.2011 und bot im städtischen Jugendhaus Schwäbisch Gmünd regelmäßige Trainingseinheiten an. Das städtische Jugendhaus fungiert dabei als offene Einrichtung der Kinder-, Jungen-, Mädchen- und Jugendarbeit sowie der Jugendsozialarbeit mit passenden Beratungsangeboten und Einzelfallhilfe. Innerhalb dieser Strukturen gliedert sich der offene Bereich in Angebote für Kinder von sechs bis dreizehn Jahren sowie für Jugendliche ab vierzehn Jahren. Ergänzend werden eine tägliche Hausaufgabenbetreuung bzw. Förderunterricht angeboten sowie zehn Stadtteiljugendtreffs betreut.
Interdisziplinäre pädagogische und psychologische Begleitung
Um dem Training eine nachhaltige pädagogische Tiefe zu verleihen und eine gezielte Verhaltensänderung zu fördern, beschränkte sich die Maßnahme nicht allein auf körperliche Übungen auf der Matte. Während der gesamten Einheiten waren Pädagoginnen, Pädagogen sowie Psychologinnen und Psychologen vor Ort eingebunden.
Diese Fachkräfte begleiteten die Praxisübungen fachlich, gaben Rückmeldungen und werteten die gemachten Erfahrungen in anschließenden Gesprächsrunden gemeinsam mit den Teilnehmenden aus. Durch diese interdisziplinäre Betreuung erhielten die Jugendlichen den notwendigen Rahmen, um Ursachen für aggressives Verhalten zu hinterfragen und alternative Konfliktlösungen zu erarbeiten. Die Reflexion der eigenen Taten und des eigenen Verhaltens stand dabei stets im Mittelpunkt der sozialpädagogischen Arbeit.
Struktur der sportpädagogischen Einheiten mit FSJler Philipp Mönch
Für die praktische Umsetzung auf den Trainingsmatten war Philipp Mönch verantwortlich, der im städtischen Jugendhaus sein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte. Unter seiner Anleitung fanden zweimal wöchentlich sportpädagogische Kurse im Bereich der Gewaltprävention statt. Die inhaltlichen Schwerpunkte umfassten:
- Kurse zur Selbstbehauptung für Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren sowie Jugendliche ab vierzehn Jahren
- Einheiten zur praktischen Selbstverteidigung zur Festigung des eigenen Auftretens
- Zielgerichtete Formate als Anti-Aggressionstraining
Bei der Durchführung befolgte Philipp Mönch stets die Gesichtspunkte der Pädagogik. Er demonstrierte den Jugendlichen aus der Perspektive des Kampfsports, welche physischen und emotionalen Auswirkungen das eigene Handeln auf andere Menschen hat. Anhand kontrollierter Partnerübungen, Hebelwirkungen und des gezielten Einsatzes von Körperdruck konnten die Teilnehmenden unmittelbar spüren, wie sich physische Überlegenheit anfühlt. Ziel war es, ein feines Bewusstsein dafür zu schaffen, was gewalttätiges Handeln bei Gegenübern auslöst, und die Teilnehmenden zur kritischen Überprüfung ihres bisherigen Verhaltens zu bewegen.
Der Aha-Effekt und das spürbare Erleben auf der Matte
Für viele der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen war der Kurs die erste Begegnung mit einer Kampfkunst-Matte überhaupt. Das direkte Erleben von körperlicher Eigendynamik und das Heranführen an eigene Grenzen erzeugten bei vielen Betroffenen einen nachhaltigen Aha-Effekt.
Indem die Jugendlichen in Partnerübungen selbst die Kontrolle abgeben mussten oder spürten, wie schnell eine Situation körperlich dynamisch wird, wandelte sich die Wahrnehmung nachhaltig. Dieser praktische Ansatz half dabei, emotionale Blockaden aufzubrechen und ein spürbares Verständnis für die Konsequenzen von Aggressionen im Alltag zu entwickeln. Die Angebote wurden von den Besucherinnen und Besuchern des Jugendhauses sehr schnell und sehr gerne angenommen.
Vielseitiger Praxiseinsatz und Schulkooperationen
Die positiven Resonanzen aus den wöchentlichen Einheiten führten im Laufe des Jahres zu weiteren Projekten. Einmal wöchentlich fanden strukturierte Anleitergespräche statt, in denen Rückblick auf stattgefundene Aktionen genommen und Feedback ausgetauscht wurde. Ebenso wurden geplante Veranstaltungen und Aktionen gemeinsam besprochen. Neben den regulären Kursen beteiligte sich Philipp Mönch an Veranstaltungen wie Kinderspielfesten mit entsprechenden Vorführungen an der Programmgestaltung, brachte sich beim Schülermittagstisch ein und übernahm logistische Aufgaben im Jugendhaus und in den Stadtteiljugendtreffs.
Auf Einladung einer Grund- und Hauptschule wirkte er zudem an den dortigen Projekttagen mit und veranstaltete vor Ort sportpädagogische Kurse im sportpädagogischen Bereich mit den Schülerinnen und Schülern.
Nachhaltige Wertevermittlung durch den BSC Wetzgau e.V.
Das Projekt im Jugendhaus zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie kommunale Jugendarbeit und sportlich-praktische Deeskalationsarbeit erfolgreich ineinandergreifen. Die Kombination aus pädagogischer Betreuung und praxisnaher Körperarbeit auf der Matte bildete ein wichtiges Element der Gewaltprävention in Schwäbisch Gmünd.
Der BSC Wetzgau e.V. blickt auf diese Initiativen als Beispiel dafür zurück, wie sportliche Prinzipien, Respekt und Disziplin sinnvoll in soziale Konzepte eingebunden werden können, um junge Menschen nachhaltig in ihrer Entwicklung zu unterstützen.


