
Der Hanbo-Jitsu Lehrgang in Leinzell am 22. Oktober 2011 markierte für die Kampfsportler des BSC Wetzgau einen wichtigen Meilenstein in ihrer technischen Weiterentwicklung. In der modernen Selbstverteidigung gewinnen Hilfsmittel zunehmend an Bedeutung, weshalb sich die motivierte Gruppe aus Wetzgau gezielt in die Nachbargemeinde begab, um ihre Fertigkeiten an der Waffe zu perfektionieren.
Spezialisierte Fortbildung unter Expertenleitung
In der Welt des Budo gilt der Hanbo – ein etwa 90 cm langer Stab – als eine der unterschätztesten, aber effektivsten Verteidigungswaffen. Um die Nuancen dieses Systems zu verstehen, bedarf es erfahrener Lehrer. Das Seminar wurde von Sepp Oberhollenzer (6. Dan Ju Jitsu) geleitet, einer Koryphäe mit jahrzehntelanger Erfahrung im Budo-Sport.
Oberhollenzer verstand es, nicht nur die technischen Aspekte, sondern auch die historischen Hintergründe des Hanbo zu vermitteln. Was für den Laien wie ein schlichter Holzstock wirkt, entpuppt sich in den Händen eines Profis als multifunktionales Werkzeug, das Distanz schafft und Hebelwirkungen enorm verstärkt.
Die Grundlagen: Präzision und Handhabung
Jeder Fortgeschrittene weiß: Ohne eine solide Basis sind komplexe Techniken im Ernstfall nicht abrufbar. Daher legte das Training zu Beginn den Fokus auf essenzielle Grundlagen:
- Korrekte Griffweise: Wie wird der Stock gehalten, um maximale Kontrolle bei gleichzeitigem Schutz der eigenen Finger zu gewährleisten?
- Flüssige Handhabung: Koordinationsübungen stellten sicher, dass der Hanbo fast wie eine Verlängerung des eigenen Armes geführt werden konnte.
Diese Übungen bildeten das Fundament für die darauf folgenden, technisch anspruchsvolleren Kombinationen, die den Kern des Hanbo-Jitsu Lehrgangs in Leinzell ausmachten.
Hebel, Abwehr und Entwaffnung
Im Hauptteil des Seminars lernten die Mitglieder des BSC Wetzgau die Vielseitigkeit der Waffe kennen. Besonders beeindruckend war die Demonstration der Hebel- und Festlegetechniken. Hierbei fungiert der Stock als verlängerter Hebelarm. Dies ermöglicht es dem Verteidiger, selbst körperlich überlegene Angreifer mit minimalem eigenem Kraftaufwand zu kontrollieren und zu fixieren.
Zusätzlich wurde die dynamische Abwehr trainiert. Durch gezielte Schlag- und Stoßtechniken wird der Gegner effektiv auf Distanz gehalten. Dies dient primär dazu, Angriffe bereits im Ansatz zu stoppen, bevor eine gefährliche Nahdistanz entsteht. Abgerundet wurde das Programm durch Techniken zur Entwaffnung, bei denen die Teilnehmer lernten, den Hanbo sowohl gegen unbewaffnete Angreifer als auch gegen Gegner mit Waffen einzusetzen.
Praxisnaher Transfer in den Alltag
Ein zentraler Punkt des Lehrgangs war der Realitätsbezug. Die Trainer des BSC Wetzgau hoben hervor, dass die erlernten Muster eins zu eins auf Alltagsgegenstände übertragen werden können. Ein gewöhnlicher Regenschirm oder ein Spazierstock übernehmen im Ernstfall die Rolle des Hanbo. Dieser hohe Alltagsnutzen macht die Fortbildung besonders wertvoll für die Selbstverteidigung im zivilen Bereich.
Trotz der technischen Komplexität konnten auch Anfänger dank der geschickten Didaktik von Sepp Oberhollenzer schnelle Fortschritte erzielen. Die Atmosphäre war geprägt von hoher Konzentration und dem gemeinsamen Ziel, die Kampfkunst in ihrer Ganzheit zu begreifen.
Fazit: Nachhaltige Integration beim BSC Wetzgau
Mit einem erweiterten Repertoire an Techniken kehrten die Kampfsportler nach Wetzgau zurück. Doch der Lehrgang war nicht als einmaliges Ereignis gedacht. Der BSC Wetzgau integriert das Thema Stockkampf seither verstärkt in seinen regulären Übungsplan. Damit stellt der Verein sicher, dass die wertvollen Impulse des Wochenendes dauerhaft gefestigt werden und das Niveau der Abteilung kontinuierlich steigt.


