
BJJ-Europameisterschaft im französischen Vittel: Mit einer Bronzemedaille in der Kategorie „Senior Masters“ über 95 Kilogramm im Gepäck kehrte Gerold Bauer vom Budosportclub Wetzgau e.V. von der Europameisterschaft im Brazilian Jiu Jitsu aus Vittel/Frankreich zurück. Das Turnier war mit rund 300 Sportlerinnen und Sportlern aus Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Italien, Deutschland sowie mit in Europa lebenden Brasilianern und US-Amerikanern sehr gut besetzt und zeichnete sich durch ein hohes technisches Niveau der Kämpfe aus.
Neben Gerold Bauer waren mit Erika Müller (bis 55 kg) sowie Uwe Kobitzki und Ralf Werner (jeweils bis 77 kg) drei weitere Aktive vom Budosportclub Wetzgau e.V. in die Vogesen gereist. Für diese drei war es der erste Wettkampf überhaupt, weshalb sie in der Kategorie „Beginners“ starteten. Dass alle drei in ihren Kämpfen zunächst mit Wurfwertungen in Führung gehen konnten, ist angesichts der starken Konkurrenz als Erfolg zu werten.
Vom Judo zum Brazilian Jiu Jitsu
Die Sportart Brazilian Jiu Jitsu wurde seit 1990 durch sensationelle Erfolge der Gracie-Familie aus Rio de Janeiro sowie einiger anderer Brasilianer im sogenannten „Ultimate-Fighting“ (Käfig-Kämpfe ohne Regeln) in der Kampfsport-Szene weltweit populär und hat vor allem in Holland, Belgien, Spanien, Frankreich und der Schweiz inzwischen Tausende von Aktiven.
Die Techniken sind in weiten Teilen identisch mit dem Judo-Repertoire, jedoch ist im Brazilian Jiu Jitsu vieles erlaubt, was im Judo aufgrund der Verletzungsgefahr verboten ist. Dazu gehören unter anderem:
- Bein- und Fußhebel
- Handgelenkshebel
- Genickhebel
- Griffe ins Gesicht
- Nierenschere und weitere spezielle Bodentechniken
Zudem unterbrechen die Kampfrichter das Geschehen nur bei ganz groben Regelverstößen oder wenn die Kämpfer die Matte im Eifer des „Gefechts“ verlassen. Weil im BJJ nur durch „Aufgabe“ vorzeitige Siege möglich sind (nicht wie im Judo mit einem besonders gut gelungenen Wurf), spielt sich bei dieser Art zu kämpfen sehr viel in der Bodenlage ab.
BJJ-Europameisterschaft: Gerold Bauers Weg zur Medaille

Gerold Bauer (1. Dan Judo, 1. Dan Anti-Terror-Streetfighting und 1. Dan Goshinjitsu) hatte in Frankreich erst sein zweites Turnier im Brazilian Jiu Jitsu, bringt aber reichlich Wettkampferfahrung vom Judo mit. Bereits drei Wochen zuvor hatte er sich bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft auf den dritten Platz durchgekämpft. Mithin startete der Schwarzgurt-Träger in Frankreich in den Kategorien „Masters“ und „Senior Masters“ (über 30 Jahre), jeweils im Super-Schwergewicht.
Bei den „Masters“ hatte er das Pech, gleich im ersten Kampf auf einen international routinierten Profi und Ultimate-Fighter zu treffen. Dieser gewann nach knapp zwei Minuten mit einem Würger und warf den Wetzgauer Judoka aufgrund des KO-Systems damit aus dem Rennen.
Erfolg bei den Senior Masters und der offenen Klasse
Bei den „Senior Masters“ waren dann mit ganz wenigen Ausnahmen wieder die gleichen Leute am Start. Dieses Mal lief es jedoch besser, obwohl Bauer mit knapp 95 Kilogramm Körpergewicht teilweise über 20 Kilo leichter war als seine Gegner. Doch es ist ja gerade das Besondere am Judo und Jiu Jitsu, dass man durch geschickte Technik die Kraft- oder Gewichtsvorteile des Gegners neutralisieren kann.
Dank erfolgreicher Würge- und Kontrolltechniken konnte sich der 40-jährige vom BSC Wetzgau e.V. durchsetzen, mehrere Kämpfe vorzeitig durch Aufgabe des Gegners gewinnen und letztlich auf dem dritten Platz landen. Im Kampf gegen den US-Amerikaner Vinnie Carlucci wähnten die Zuschauer Gerold Bauer schon als Verlierer, doch der Judoka vom BSC Wetzgau e.V. konnte sich aus diesem Würgegriff befreien und den Gegner wenige Sekunden später mit einem Würgegriff zur Aufgabe zwingen.
Davon angespornt trat Bauer auch in der „offenen Klasse“ nochmals an. In dieser Klasse musste er sich allerdings im „kleinen Finale“ um den dritten Platz aufgrund eines Armhebels geschlagen geben.
Der Auftritt in Vittel unterstrich die Vielseitigkeit des Vereins und zeigte, wie sich traditionelle Judo-Kenntnisse auch auf internationalem Parkett im BJJ erfolgreich einsetzen lassen.


